Hochmuth komt vor dem Fall: Dr. Türsteher philosophiert über Rassismus

In der Leipziger Volkszeitung vom 10. Januar 2014 findet sich auf der dritten Seite des Lokalteils ein langes Interview mit dem Leipziger Türsteher Enrico Hochmuth. Dieser ließ sich, vermutlich damit seine Aussagen visuell einen geistreichen Schliff bekommen, natürlich mit einem Buch in der Hand und vielen Büchern im Hintergrund fotografieren. Unter dem Titel „Diskokrieg hat Spuren hinterlassen“ – Türsteher spricht über die Situation in Leipziger Clubs wird Hochmuth vom bekannten Lokalmatador der LVZ, Frank Döring, befragt. Döring ist seines Zeichens Haus- und Hofberichterstatter für die Themen „Ausländerkriminalität“, Silvesterkrawalle, Linksextremismus, Polizei, ABC-Schützen und den Diskokrieg. Nach dem Silvesterabend 2010 wusste sich Döring beispielsweise exponiert über „Szenestrategen“ in Connewitz zu äußern und auch im sogenannten „Diskokrieg“ erweckte die LVZ den Eindruck, dass es sich nicht um ein Gewaltverbrechen, sondern um einen Blockbuster ganz nach Dörings Geschmack handelt. Seit dem gilt: wer Action will, muss nicht in’s Kino gehen, sondern Lokalteil lesen!

Das Interview dass Döring nun mit Hochmuth geführt hat, ist ein wahres Feuerwerk an bekannter Phraseologie und „Ich bin kein Rassist, aber…“-Statements sowie einer Prise Narzissmus des Interviewten.
Die Fragestellung von Döring ist dafür höchst investigativ. So lautet gleich die zweite Frage Dörings: „Welches Gefahrenpotenzial geht von Ausländern aus?“. Hochmuth, der einen Doktor in Philosophie machen will, antwortet äußerst logisch und sagt: „Es werden nicht überdurchschnittlich viele Ausländer abgewiesen, wahrscheinlich sind sogar mehr Deutsche davon betroffen.“ Chapeau! In einer Stadt, in der deutlich über 90% der EinwohnerInnen eine Deutsche Staatsbürgerschaft haben, „sind mehr Deutsche davon betroffen“, an Diskotheken abgewiesen zu werden. Erkenntnisgewinn: gigantisch. Für die Behauptung, dass „nicht überdurchschnittlich viele“ „Ausländer“ eine Abfuhr an den Türen bekommen, reicht vermutlich die 15-Jährige Berufserfahrung des Interviewten aus. Blöd nur, dass die Testings der Einlasskontrollen in Leipzig eine andere Sprache sprechen.

Wie gut, dass Hochmuth gar nicht in den Verdacht geraten kann, Ressentiments aufzusitzen. Schließlich sagt er: „Ich bin für die Willkommensinitiative ausländischer Studenten tätig, mein Vater ist Algerier. Ich kann sagen, dass ich völlig frei bin von Ressentiments“. Ansonsten holpert Hochmuth recht wahllos durch Begriffe wie „Ausländer“, „Migranten“, „Deutsche“ und Menschen mit „ausländischen Wurzeln“ ohne einer einer Stelle darauf einzugehen, was und wen er eigentlich meint. Dass Hochmuth keine Ressentiments hat (gar nicht haben kann!) macht sich übrigens auch daran fest, dass er die in Leipzig wirklich vielen „junge[n] Männer mit Bomberjacke und Springerstiefeln“ (hallo, Neunziger!) auch nicht reinlässt, wenn er an der Tür steht. Zu guter letzt Macht sich Hochmuth, edel ist der Türsteher!, auch sehr konkrete Gedanken zur Gefahrenabwehr bezüglich „leichter Bekleidung bei“, natürlich nur „deutschen (!) Mädchen und Frauen“, diese nämlich werden „in Diskotheken bei ausländischen Besuchern durchaus falsch interpretiert“. Auf die Frage nach Waffenfunden und Verurteilungen wegen schwerer Körperverletzung geht Hochmuth dann allerdings weit weniger aussagefreudig ein, verweist nur noch einmal darauf, dass es „heutzutage schon eine gewisse Persönlichkeit“ erfodert „an der Tür zu stehen“.

Bleibt uns nur zu sagen: Danke LVZ, für diesen Bullshit und mit einem Zitat von Dr. Türsteher zu schließen:
„Diese ganze Diskussion geht an der Breite des Problems vorbei. Undifferenzierte Vorwürfe lösen [..] Reflexe aus [..].“ – Enrico Hochmuth, ehemaliger Mitarbeiter der Fachstelle für Extremismus und Gewaltprävention, im LVZ Interview

(Der LVZ Artikel selbst findet sich nur in der Printausgabe und dem Bezahlportal von LVZ Online. Die hier zitierten Passagen dürften jedoch deutlich machen, dass man für das Interview liebe rkein Geld ausgeben sollte.)

(Edit am 16.01.2014)


6 Antworten auf “Hochmuth komt vor dem Fall: Dr. Türsteher philosophiert über Rassismus”


  1. 1 Horst Prost 10. Januar 2014 um 20:56 Uhr

    @“administrator“ – Der hat seine Meinung zu diesem Thema geäußert, aus seiner persönlichen Erfahrung resultierend. Und er steht dafür, im Gegensatz zu Dir, mit seinem Namen ein. Die Ansichten sind streitbar, aber du pflückst Dir nur ein paar vermeintliche Schwachpunkte raus, die Themen, wo’s mit deiner Argumentation schwieriger werden könnte, lässt du aus. Und alles schön aus dem Untergrund, mieser kleiner Heckenschütze.

  2. 2 Horst Prost 10. Januar 2014 um 21:11 Uhr

    Du hast ja nicht mal geschnallt, w e l c h e s Buch er da in der Hand hält :-o

  3. 3 Sven Baum 10. Januar 2014 um 21:36 Uhr

    So ist es ! (Aber Rechtschreibfehler in der Überschrift ist peinlich)

  4. 4 Ein Leser 15. Januar 2014 um 13:50 Uhr

    Kommisch, dass es immer so komt, wie es komen muss.

    Prinzipiell ist die kritische Betrachtung und Hinterfragung eines solchen Artikels – vor allem wenn er aus dem Hause der lokalen Bild-Zeitung (LVZ) kommt – nicht verkehrt.

    Die Kritik sollte dann aber so formuliert sein, dass sie die Qualität des Artikels selbst übertrifft, sonst wirkt sie unglaubwürdig und stellt damit ihre eigenen Aussage(n) in Frage.

    Beispiel zur Widersprüchlichkeit: Enrico Hochmuth ist kein Doktorand, er will auch keinen Doktor in Philosophie machen, denn die Promotion hierzu liegt offenbar bereits lange hinter ihm (2007). Dann aber wieder heisst es polemisch ‚Dr. Türsteher‘.

    Um meinen ‚Bullshit‘ hier nicht zu lang werden zu lassen, habe ich noch eine Bitte an den Autor dieser Kritik. Ich habe nicht verstanden, was genau jetzt eigentlich kritisiert wird. Wenn das ggf. einmal kurz und klar ohne überflüssige und wohlklingende Phrasen – die offenbar nicht nur ein Herr Hochmut beherrscht – in einem Satz oder wenigen Stichpunkten zusammengefasst werden könnte, würde ich micht freuen. Es würde mir helfen.

  5. 5 ja schade 02. September 2014 um 22:52 Uhr

    ja schade wenn kritik, egal ob berechtigt oder nicht, sich selbst anmaßend und arrogant über die dinge stellt und damit ihr eigentliches ziel verfehlt

  1. 1 “Du kommst hier nicht rein!” | Antifa in Leipzig Pingback am 17. Januar 2014 um 21:34 Uhr
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